Hundesprache

Die Calming Signals - Beschwichtigunssignale

Hunde wollen grundsätzlich keinen Stress. Sie sind Rudeltiere, deren Sozialverhalten zu einem wesentlichen Teil durch Konfliktvermeidung bestimmt ist.


 

Hunde drücken sich anders aus als Menschen. Der Mensch verwendet Worte um sich mitzuteilen, der Hund seinen Körper

 

Lest mehr über die Calming Signals mit denen euer Hund 'spricht', lernt diese besser zu übersetzen und auch selbst anzuwenden. Für ein besseres Verständnis füreinander! Findet auch Tipps für Hundebegegnungen im Blog. 

 

 


Turid Rugaas beschäftigt sich seit den 1980er Jahren mit der Hundesprache und gilt als Pionierin auf diesem Weg. Sie hat die sogenannten Calming Signals, die Beschwichtigungssignale definiert.

Der Hund nutzt Beschwichtigunssignale um einen Konflikt zu de-eskalieren, also um einen Streit aus dem Weg zu gehen oder allgemein in einer Situation zu zeigen wie er sich fühlt.

 

Beschwichtigunssignale dienen als Vorbeugungsmaßnahme, um Konflikte gar nicht erst entstehen zu lassen.

 

Das kann ein kurzes Augenzwinkern sein, ein Schlecken über den Nasenrücken, Gähnen oder Kratzen, um nur einige Signale zu nennen. Das tolle an diesen Signalen ist, dass sie auch vom Menschen eingesetzt werden, um auf den Hund freundlich und nicht bedrohlich zu wirken. 

 


Zu den Beschwichtigunssignalen zählen

  • Zuerst den Kopf, dann den Rücken oder gar den ganzen Körper abwenden. Der Hund zeigt damit sehr deutlich, dass die Situation nicht ganz angenehm ist. 
  • Langsame Bewegungen bis hin zu Erstarren & Einfrieren. Solches Verhalten sieht man auf den Hundewiesen oft wenn Herrchen oder Frauchen den Hund zornig zurückrufen. Der Hund, dem nicht bewusst ist, dass er gerade etwas falsches gemacht hat, als er frei herumgelaufen ist, beschwichtigt seinen Menschen, weil dieser auf ihn bedrohlich wirkt. Besser: Freundlich und motiviert bleiben, auch wenns schwer fällt. So kommt euer Hund schneller und verlässlicher zurück - wenn er Spaß daran hat. 

 

  • Mit den Augen zwinkern, blinzeln oder umherwandern.

Im Bild Heidi mit Kurzhaarfrisur, die mir deutlich gezeigt hat, dass sie nicht mehr Gassi gehen möchte. Signal verstanden, wir haben eine Pause gemacht und sind dann wieder retour nach Hause. 

 

Generell gilt: Bitte einen Hund nie frontal begegnen und in die Augen starren, da es sehr bedrohlich wirkt.


  • Wedeln drückt Erregung aus, diese kann positiv oder negativ sein. Der Satz 'Ein Hund der mit dem Schwanz wedelt ist immer freundlich.' stimmt also nicht. Wie bei allen Signalen kommt es auf die Gesamtsituation an. 
  • Die aus dem Spielen bekannte Vorderkörpertiefstellung, heisst beide Vorderbeine durchgestreckt und Brustkorb Richtung Boden gedrückt, kann auch dazu dienen die Situation zu entspannen und zu entschleunigen. 

 

  • Das Nase lecken passiert oft sehr schnell, manchmal bemerkt man es kaum. 

Hier im Bild Heidi die in der Sonne gechillt hat und Charly der herumkasperlte und sich am Boden gewälzt hat. Als er bemerkte, dass er fast Heidi gerammt hat, kam schnell  das Nase lecken als Beschwichtigung für seine Freundin. 


  • Das Hinsetzen oder Hinlegen der Hundes sieht man manchmal bei zu wilden Spielen mehrerer Hunde. Dadurch wird das Tempo rausgenommen und die Situation einfacher für den Hund.Hunde brauchen 15-20 Stunden Ruhe & Erholung am Tag. Wenn sie also nicht gerade vom Nickerchen aufwachen, kann das Gähnen einen Gefühlszustand der aktuellen Situation ausdrücken. Tipp: Das Gähnen von Herrchen & Frauchen in angespannten Situationen hilft dem Hund selbst zu entspannen. 
  • Das 'Bogen gehen'. Im Freilauf begegnen sich Hund nie frontal zueinander, da es bedrohlich wirkt. Hunde weichen sich von 'Natur aus' aus. Tipp: Bitte berücksichtigt das bei Hundebegegnungen und schafft Platz zwischen den  Hunden indem ihr ausweicht, die Straßenseite wechselt, auf Distanz geht etc.

 


  • Pfote heben

Das Bild ist nahezu klassisch für eine Beschwichtigung. Wir hatten Fotoshootingtermin. Heisst, da ist für meine Hunde eine nette, aber fremde Dame mit einem komischen Apparat und auch komischen Bewegungen mit dabei. Heidi sitzt eigentlich gerne auf meinem Schoß, für das Foto allerdings war es dann doch etwas zu viel. Sie zeigt das sehr ausdrucksvoll mit Pfote heben und auch abschlecken. Meine eher nach vorne und damit über sie gerichtete Körperhaltung hat sicherlich auch dazu beigetragen, dass Heidi gezeigt hat, dass der Modelljob etwas zu viel wird.  Es gab dann Leckerlieparty und Pause. 


  • Am Boden schnüffeln zeigt sich auch bei Hundebegegnungen auf Distanz. Der Hund hat den anderen bereits bemerkt, eventuell passiert bereits eine Annäherung und indem er sich abwendet um einen Konflikt aus dem Weg zu gehen, schnüffelt er meist ganz angestrengt am Boden. 
  • Das Dazwischengehen, sogenanntes Splitten. Tipp: Auch Herrchen & Frauchen können splitten bei Hundebegegnungen und so dem eigenen Hund Sicherheit bieten! Geht in der Mitte zwischen den sich begegnenden Hunden, so schafft ihr Platz und Distanz. Nehmt Sträucher, Bäume und Autos als 'Blockaden' oder Möglichkeit einen Bogen zu gehen damit keine frontale Hundebegegnung entsteht.

  • Markieren

Hier waren wir in einem Park spazieren und andere Hunde in Sichtweite. Für Charly, der sehr auf andere Hunde reagiert, Anlass genug um extra hoch zu markieren. 

 

Markieren hat übrigens nichts mit Dominanz oder sonstigen veralteten Rudelstellungstheorien zu tun. Es drückt nur aus, dass die aktuelle Situation einen Stress (positiv oder negativ) für den Hund auslöst.


Die Beschwichtigungssignale sind ein großer Bestandteil der Sprache des Hundes. Kann der Hund diese nicht anwenden, weil Gehorsam vom Menschen gefordert wird durch ein 'Sitz', 'Fuß' etc., wird er sprachlos. Der Hund möchte seine Sprache anwenden, der Mensch richtet sich jedoch nicht danach, bestraft für Meideverhalten im schlimmsten Falle noch. Der Hund wird passiv, traut sich nicht mehr irgend eine Strategie auszuprobieren oder neugierig zu sein, gibt auf Hund zu sein. Diese Hunde werden oft als 'brav' bezeichnet, sie haben jedoch einfach resigniert.    


Achtet daher darauf, was euer Hund zeigt und seid als Herrchen & Frauchen zu Stelle, wenn er Unterstützung braucht oder lobt ihn, wenn er die Situation gut gemeistert hat.

Denn wir haben jetzt die Wahl, wir können bedrohlich oder freundlich auf unsere Hunde wirken.